Fragen Sie Frau Andrea

Futkarlis Abenteuer in Taschen und Körben

Kolumnen | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

ich hätte da eine Frage, die mir auf der Seele brennt: Was genau bedeutet eigentlich die Bezeichnung/Schmähung "Futkarli", beziehungsweise ist sie überhaupt offiziell bestätigt, oder handelt es sich dabei um die Erfindung eines mir näher bekannten Fotografen? Und wenn offiziell und beglaubigt: Welche Eigenschaften wirft man einem Futkarli vor oder sagt man ihm nach?

Liebe Grüße, dein Florian Holzer,

Neubau, per Gesichtsbuchnachricht

Lieber Florian,

schön sprechen, möchte ich dir zurufen, sonst scheißt dir das Christkind was! Gerne lösche ich den Brand auf deiner Seele. Der ebenso schöne wie unmissverständliche Ausdruck Futkarli ist bestes und uraltes Wienerisch und bezeichnet den chercheur de femme. Georg Danzer hat ihm in seinem Lied "Vorstadtcasanova" ein spätes Denkmal gesetzt: "(...) I bin a Vuaschdodtcasanova", singt er da, "und des bleib i a - da fesche Gustl mid da immahoatn Reahrn - und wauns es sogts i bin a Futkarli, daunn hobts jo recht - i bin mid Leib und Söh a echta Pudarant - i reiß a jede auf, de wos bei uns ins Beisl kummt - und noch zwa Schdund hob is im Haustua zuaweglahnt - i hob scho haufnweis de Hasn üwas Glanda bogn (...)"

Die Expertise Georg Danzers entlastet die Autorenschaft des dir (und mir) näher bekannten Fotografen. Karli dürfen wir als Diminutiv des Vornamens Karl begreifen, dessen Herkunft vom Begriff "Kerl" schwingt dabei stets mit. Kommen wir zum Wortbestandteil Fut. Er ist verwandt mit dem deutschen Wort Fotze und bezeichnet das weibliche Geschlechtsteil. Schon im Altnordischen finden wir es als fuð (Scheide) - auch in der Wortzusammensetzung fuðflogi (Brautflüchtling) und dem schon Proto-Wienerischen Schimpfwort fuðhundr (Futhund).

Bei näherer Analyse von Fut (Mehrzahl: die Futen) fällt die Verwandtschaft mit Futteral und Futter (der Innenseite von Kleidungsstücken und Taschen) auf. Sie können auf das indogermanische *pah (schützen, scheiden) zurückgeführt werden. Im Altindischen bezeichnet etwa patra den Behälter, das Gefäß, im Hethitischen pattar, pattur den Korb.

Wolltest du den durchaus liebevoll gebrauchten Ausdruck Futkarli etwas entschärfen, riete ich zur gänzlich unverfänglichen Version "Kanisterkerl".


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