Ich-AG des Kalten Kriegs

Extra | Joachim Schätz | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Im famosen Fünfeinhalbstünder "Carlos" folgt Olivier Assayas den Windungen des internationalen Terrorismus

Der erste Auftritt ist Programm: Ein junger Mann steigt in Beirut aus dem Flugzeug und hält zuerst seinen perfekt gescheitelten Kopf souverän der Kamera hin. Aber wenn er anschließend auf dem Weg zu einem Geheimtreffen von Taxi zu Moped zu bewaffneten Wächtern weitergereicht wird, lässt sich kaum mehr sagen, ob er nun Herr der Lage ist oder hin und her geworfener Spielball. Der da 1973 die Bühne der Weltgeschichte betritt, wird aus dieser Ununterscheidbarkeit künftig Kapital schlagen: Unter seinem Codenamen Carlos wird der Terrorist Ilich Ramírez Sánchez schon bald Staaten das Fürchten lehren, als wäre er selbst ein Akteur in den Frontstellungen des Kalten Kriegs und nicht bloß Befehlsempfänger finanzstarker Auftraggeber.

Olivier Assayas' fulminanter Fünfeinhalbstünder "Carlos" verwendet den Venezolaner Ramírez, der 1975 mit der Geiselnahme der Opec-Erdölminister in


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