Kritik

Diskrete Meisterwerke, Schulter an Schulter

Lexikon | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste ist wohl der geheimste Geheimtipp in der Wiener Museumslandschaft. Eine 2,5 Millionen Euro teure Renovierung sollte unter anderem auch mehr Publicity bringen. Zuletzt sorgte aber eher der Krach zwischen Rektor Stephan Schmidt-Wulffen und Renate Trnek, der inzwischen zurückgetretenen Direktorin der Sammlung, für Schlagzeilen. Wie wohl jeder Museumsleiter forderte Trnek mehr Platz, für ihre 800 Werke starke Sammlung ebenso wie für Exponate des Kupferstichkabinetts. Schmidt-Wulffen richtete stattdessen lieber den mit 600 Quadratmetern gehörig überdimensionierten Ausstellungsraum "x hibit" ein, in dem derzeit Studierende spröde Installationen zeigen.

Aber auch mit der Vermittlung der "Rückkehr der Alten Meister" hapert es noch gewaltig. Saaltexte oder Begleitfolder fehlen vollständig. Wer den Strichcode seines Tickets unter den unsympathisch anonymen Türöffner hält, gelangt in die Ausstellungsräume, deren stilistischer Aufbau zunächst rätselhaft bleibt. Englische Infos werden nur zum "Weltgerichtstriptychon" von Hieronymus Bosch geliefert, dem Sammlungshighlight, dessentwegen die meisten Touristen kommen. Lobenswert das Tageslicht, das nach der Entfernung der Fensterverschalungen in die Sammlung dringt. Das dichte Hängungskonzept mag für die Kunsthistoriker Sinn machen, für den Laien erschließen sich ohne Heranführung wohl nur die Namen Tizian, Rembrandt oder Rubens. Insgesamt verfügt die Gemäldegalerie jetzt über ein Drittel weniger Hängefläche als vor der Renovierung - ein Schildbürgerstreich, könnte man meinen. NS

Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien


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