Neu im Kino

Das ist nicht Gekko! "Wall Street 2"

Lexikon | Stefan Kluger | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Vor 23 Jahren kam "Wall Street" in die Kinos. Der Streifen erlangte Kultstatus, nicht zuletzt dank eines famosen Michael Douglas in der Rolle des Gordon Gekko. Gel im Haar, Zigarre und Hosenträger - so avancierte der skrupellose Börsenhai zum Publikumsliebling; keiner ruinierte die Existenzen anderer so cool wie Mr. Gekko. "Gier ist gut" war sein Motto.

"Wall Street: Geld schläft nicht" spielt sieben Jahre später. Gekko, der seine Haftstrafe soeben verbüßt hat, schreibt ein Buch ("Ist Gier gut?"), um in NYC weiterhin besten Whiskey, feinstes Leder und die schönste Aussicht genießen zu können. Seit zwölf Jahren herrscht zwischen ihm und seiner Tochter Funkstille. So soll es auch bleiben, wenn es nach Winnie geht; sie macht ihren Vater für den Tod des Bruders verantwortlich, hasst ihn und seine Welt. Ironischerweise ist Freund Jacob, gespielt von Shia LaBeouf, ebenfalls an der Börse. Allerdings hält der sich brav an die Regeln. Erst als sein Mentor Selbstmord begeht, kommen ihm Zweifel am System. Er will Rache nehmen, Gekko soll dabei helfen. Dieser verlangt als Gegenleistung die Liebe seiner Tochter, Jacob stimmt zu. Und als er ihm Winnies Vermögen anvertraut, um seine Pläne vorwärtszutreiben, begibt er sich in die Höhle des Löwen. Ist Gekkos Vaterliebe stärker als seine Gier? Es geht um 100 Millionen Dollar. Nicht nur jene, die sich hier Antworten auf aktuelle wirtschaftliche Fragen erhofft haben, werden enttäuscht sein. Die Wall Street mitsamt ihrer Gier, Manipulation und Dekadenz ist nur Fassade. Der Film lässt den Charme des Vorgängers schmerzlich vermissen, gemein und dreckig wird es nie. Und während der solide, aber viel zu softe LaBeouf eine Fehlbesetzung ist, enttäuscht auch Douglas in seiner einstigen Paraderolle. Das liegt weniger an ihm als am faden Drehbuch. Das ist nicht Gekko!

Ab Fr in den Kinos (OF im Burg und Haydn)


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