Musiktheater Kritik

Ein Regentanz zum Technologiesprung

Steiermark | Herbert Schranz | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Technischer Fortschritt hat schon mancher Berufsgruppe ihr Ende bereitet. Dazu gibt es auch ein Musical. Es spielt in der Endzeit des Stummfilmzeitalters. "Singin' in the Rain" ist 1952 erschienen, als Filmmusical mit dem legendären Gene Kelly als Don Lockwood. Don ist ein Stummfilmstar, der den Sprung in die Tonfilmära schafft und deshalb auch leicht tanzen hat.

Die Oper Graz hat das Musical zusammen mit dem Stadttheater Klagenfurt in einer deutschen Bühnenfassung herausgebracht. Für die humorige Regie sorgte Josef Ernst Köpplinger, der dabei - anders als der Regisseur im Musical (Frank Berg) - voll auf die tragikomische Leidtragende des Stoffs setzen kann, nämlich Bettina Mönch als Lina Lamont. Mönch spielt die Lamont köstlich mit lispelnder, piepsiger Berliner Stimme, untragbar für den Tonfilm - da nützt kein Sprechtraining. Nur in einem Song blitzt ihre eigentlich fabelhafte Singstimme auf - ein Moment der versuchten Selbstbesinnung. Das Musical lebt von seiner überraschend eingeführten Titelnummer "I'm Singing in the Rain", doch hier hapert es bei Peter Lesiak als Don. Gerade weil man den Song schon dutzende Male gehört hat, kommt es bei seiner Einbettung im Stück auf die liebenswürdige Frische des ersten Mals an. Bei aller tänzerischen und sängerischen Leistung agiert Lesiak hier zu schablonenhaft, um zu bezaubern. Auch sind die Grazer Philharmoniker unter Jeff Frohner nicht unbedingt das Orchester, das einen am weichsten auf die Traumwolken des Swings der 50er betten würde.

Benjamin Rufin als der Komponist Cosmo Brown erinnert mit seinem individuellen Mienenspiel viel eher an die großen Filmstars der Vergangenheit, desgleichen Nadine Zeintl als Kathy Selden, Kathy, jene anfangs unterschätzte Schauspielerin, die in Lamonts Fußstapfen tritt und der Don seinen Regensong zugedacht hat.

Oper Graz, 20. und 21.10., 19.30


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