Kunst Tipp

Großes Thema, große Schau: "Mutter" bei den Minoriten

Steiermark | Herwig Höller | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Es ist kein Zufall, dass eine Ausstellung zu "Mutter" im Kulturzentrum bei den Minoriten stattfindet: Die Grazer Kulturinstitution verfügt über eine besondere Expertise bei Kunst und Katholizismus. Letzterer prägt mit seinem Marienfaible bis heute die Mutterikonografie der westlichen Kunst. So suggeriert es zumindest die aktuelle Schau, zahlreiche Arbeiten sind da gar Zitate aus der katholischen Kunstgeschichte.

Besonders die Renaissance hat es ihr angetan: So hat die feministische Vorzeigekünstlerin Valie Export in einer Arbeit aus dem Jahr 1976 eine Madonnendarstellung von Sandro Botticelli einfach nachgestellt, bloß das Jesukind wurde durch einen Staubsauger ersetzt. Die Tschechin Jitka Teubalová fotografierte in kräftigen Farben junge Mütter mit Kind im Stil von Heiligenbildern. Einschlägige Vorbilder kann auch die amerikanische Starkünstlerin Vanessa Beecroft nicht verleugnen, die sich mit zwei afrikanischen Babys fotografieren ließ. Oder die aus einem polnischen Marienwallfahrtsort stammende Ewa Halasz, die geeignet Mutter-Kind-Bilder aus Massenmedien ikonenhaft reproduzierte.

Katholische Bildsprache lässt sich aber auch überwinden: Die iranische Künstlerin Shirin Neshat zeigt eine vollverschleierte Frau und ihren nackten Buben, ein Verweis auf die Machtverhältnisse in der islamischen Welt. Elzbieta JabBonska aus Polen inszeniert sich ironisch mit Kind und den passenden Kostümen als Supermutter und liefert damit ein sehr zeitgenössisches Mutterbild. Das gilt auch für die Deutsche Silke Weinsheimer, die im Stil radikal-schicker Modegrafie eine junge Mutter mit verräterischen Milchflecken am T-Shirt abbildet. Derartige ikonografische Neuentwürfe bleiben allerdings in der Minderheit. In Summe ist "Mutter" mit prominenten Künstlerinnen und hochkarätigen Arbeiten ein Highlight der Saison.

Kulturzentrum bei den Minoriten. Bis 12.12


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