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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Wollte man ein Ranking der am stärksten unterschätzten guten Eigenschaften aufstellen, was käme dabei wohl raus? Das würde ich im Morgenjournal vom Papst oder vom Professor Filzmaier doch ganz gern erörtert wissen. Ich finde ja, dass sich etwa die Nettigkeit einer flagranten Verachtung ausgesetzt sieht ("nett ist die kleine Schwester von scheiße"), die sie einfach nicht verdient hat. Dabei kann Nettigkeit so viel wert sein wie eine Brustvergrößerung (siehe S. 36), was aber das falsche Argument ist: Wer nett ist, weil sie sich dadurch die Kosten für plastische Chirurgie spart, ist nicht ganz so nett wie diejenige, die aus schierer Nettigkeit nett ist. Für Männer gilt das Gleiche, bloß anders.

In den Geruch muffiger Tugendboldhaftigkeit gerät leider auch oft der Fleiß. Ich glaube, der hat links von Barbara Rosenkranz (Zeugungsfleiß) zuletzt zu wenig offizielle Wertschätzung erfahren. Dabei wird ihm ja durchaus gehuldigt - aber sozusagen nur "unter der Budl". Wie sonst wäre es möglich, dass einer wie der Dusini (siehe auch Kästchen rechts) den halben Falter vollschreibt? Und warum wohl sitzt einer wie der Stöger, hausintern als eingefleischter Familienpunk bekannt, montags am späten Abend in der Redaktion und tippt Interviews ab, die allerfrühestens in eineinhalb Wochen erscheinen, anstatt mit Frau und Töchtern Bach-Kantaten zu singen?! Auch stark unterschätzt ist die Verlässlichkeit, die den Fasthuber auf England anrufen und Gespräche mit unser aller liebstem Schnürlsamtanzugträger führen macht (S. 29). Da mal stärker nachdenken drüber: die Re-Raimundisierung der Linken.


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