Meinesgleichen

Van der Bellen und das Rätsel der grünen Krise

Falter & Meinung | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Alexander Van der Bellen hat es geschafft. Die Zahl seiner Vorzugsstimmen (11.952, nur Michael Häupl hatte 78 Vorzugsstimmen mehr) hebt ihn direkt in den Wiener Gemeinderat. Insgeheim mag er gebetet haben, der Herr möge diesen Erfolg an ihm vorübergehen lassen, denn der Posten des außenpolitischen Sprechers der Grünen hält gewiss mehr und interessantere Perspektiven bereit als hirnentkernte Verbalduelle in einem staubigen Gemeinderat voller gegelter oder geschorener Recken.

Ob Van der Bellen das Mandat annimmt, wird davon abhängen, ob es Rot-Grün geben wird; Realisten sehen also schwarz. Das gibt uns Zeit, noch einmal über den Unterschied zwischen Österreich und Deutschland nachzudenken, wo die Grünen in Umfragen mittlerweile bei über 20 Prozent liegen. Auch der grüne Ex-Boss tat auf Befragung Armin Wolfs in der "ZiB 2", als habe er für die Differenz keine Erklärung. Wo doch die österreichischen lange Zeit die stimmenstärksten Grünen in Europa waren.

Der höfliche Van der Bellen konnte oder wollte es nicht sagen, ich nehme ihm gern die Arbeit ab: Das muntere Silberrücken-Killen hat sich gerächt. Wie Figura zeigt, bringt Van der Bellen Stimmen; auch Voggenhuber hätte Stimmen gebracht. Wer über 50, grün und männlich ist, hat leise zu treten oder abzutreten, sonst wird er demontiert. Dieser Eindruck entstand in der Öffentlichkeit. Innere Befindlichkeiten kümmern niemanden. Bis die nächsten grünen Silberrücken da sind, kann es dauern.


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