Fremdenpolizeichefin Andrea Jelinek: "Keine Kinder in Polizeianhaltezentren"

Politik | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Andrea Jelinek ist seit Montag Chefin der Fremdenpolizei. Die aufgeschlossene Juristin war einst Legistin im Innenministerium, dann arbeitete sie als Stadthauptfrau im dritten Bezirk. Sie folgt dem von Maria Fekter gefeuerten Stefan Stortecky nach.

Falter: Was sind Ihre Lehren aus dem Abschiebedrama der Zwillinge?

Andrea Jelinek: Wir müssen sensibler vorgehen und prüfen, welche Möglichkeiten es bei besonderen Härtefällen noch gibt.

Die Polizei marschierte mit einer Maschinenpistole ins Kinderzimmer.

Jelinek: Solche Fälle dürfen nicht mehr vorkommen. In Zukunft werden Beamte nicht mehr mit sichtbarer Waffe bei Kinderabschiebungen vorgehen. Eltern sollten eine psychologische, professionelle Betreuung bekommen.

Die Innenministerin sagte zunächst, der Einsatz bei den Komanis sei angemessen gewesen. Dann setzte sie den Chef der Fremdenpolizei ab. Wie erklärt man den Beamten diesen Zickzackkurs?

Jelinek: Die Betroffenheit hier ist groß. Ich versuche, mich in jene Menschen einzufühlen, die hier im Auftrag der Republik arbeiten. Ich muss ihnen vertrauen, ihre Stärken forcieren und gemeinsam mit ihnen die Strukturen verbessern.

Was werden Ihre ersten Reformen sein?

Jelinek: Wir brauchen mehr Kommunikation. Nach innen und nach außen. Wir müssen auch mit NGOs stärker in Kontakt treten. Ohne Dialog funktioniert nichts.

Wird es weiter Kinderabschiebungen und Kinder in Schubhaft geben?

Jelinek: Ich denke, dass wir noch stärker auf die Kinderrechte achten müssen. Kinder, ganz gleich welcher Nationalität, sind unsere Zukunft. Geben Sie unserem Haus eine Chance, die Dinge entscheidend zu verbessern. Ich persönlich finde, dass Kinder in Polizeianhaltezentren nichts zu suchen haben.


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