Mediaforschung

Warum wirbt Hirter wieder mit Nackedeis für Bier, Frau Ebner?

Nachfragekolumne

Medien | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Die Aufregung war groß, als die Kärntner Brauerei Hirter diesen Sommer ihre drei "Fasstypen" mithilfe dreier nackter Damen - dunkel, rot, blond - definierte. Tatsächlich kam das Plakat mit dem Trio zwar hausbacken, aber chauvinistisch rüber, da half es auch gar nichts, dass hinter der Kampagne eine Frau stand: Michaela Ebner, Art Director bei der Klagenfurter Agentur Uppercut. Natürlich steckte hinter der Provokation Kalkül. "Unser Ziel war es, die Marke Hirter wieder ins Gespräch zu bringen", gibt Ebner zu. Bingo. Gelungen.

Jetzt werben wieder drei Nackedeis für die Brauerei. Diesmal sind es junge Männer - dunkel, rot und blond(iert). Statt bei einer Agentur passende Models zu buchen, so wie bei dem Sujet mit den "Dirndln", wie Ebner sagt, hat man via Facebook ein Casting veranstaltet: "Wir haben männliche Pendants gesucht, die lustig und bierig rüberkommen. Wir wollten dabei möglichst nah am Volk sein, keine Profis nehmen." Aus 70 Bewerbern haben die 14.000 Facebook-Fans von Hirter mit dem "Daumen hoch"-Klick 15 Finalisten ermittelt. Eine Jury, darunter auch die drei Nackten vom Sommer und die Eigentümerin der Brauerei, hat dann die Burschen für die aktuelle Kampagne bestimmt.

"Die sind auf den Plakaten so abgebildet, wie sie sind", sagt die Werberin. "Solche Typen lernst du ja tatsächlich kennen, mit denen trinkt man ein Bier." Böse Zungen behaupten zwar, die Jungs sähen aus wie frisch aus der Gay-Disco, egal. Mit der neuen Kampagne ist Uppercut jedenfalls schon wieder beim Österreichischen Werberat gemeldet. Schon wieder Sexismusvorwurf. Schon wieder Kalkül? Doch diesmal hat die Agentur schon ein Folgeplakat in petto. Darauf sieht man das Trio angezogen. "Wir wissen, dass Frauen genauso gern Bier trinken wie Männer", sagt Ebner. "Jetzt wollten wir was für die Frauen machen."


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