Prost!

Trauben fliegen auf. Eine kleine Geschichte des Schmeckens

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Traubisoda

Stadtleben | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Neunzehnhundertdreißig war ein bemerkenswertes Jahr: Lenz Moser III. fand, dass man aus Trauben nicht nur Wein, sondern auch eine weitgehend alkoholfreie Limonade machen könnte, das Traubi. Zeitgleich wurde in Korneuburg von der Heimwehr ein Eid geschworen, der dazu beitragen sollte, die parlamentarischen Kräfte des Landes bald außer Kraft zu setzen. Moser ist bekannt dafür, den Weinbau in Österreich modernisiert zu haben. Eine Traube hat ihn dabei besonders überzeugt: der Rotburger. Er setzte sich dafür ein, dass sein Lehrer und der Erfinder der Rebsorte auch namentlich sichtbar wurde: Friedrich Zweigelt, Nationalsozialist der ersten Stunde. Mit ihrem Buch "Tauben fliegen auf" nimmt Melinda Nadj Abonji, Trägerin des Deutschen Buchpreises 2010, auf den Geschmack der vom Kommunismus geprägten Jugend in der Vojvodina Bezug: Traubisoda. Die Kulturgeschichte von Traubisoda spielte sich dies- und jenseits des Eisernen Vorhangs ab, da es nach wechselnden Lizenzvergaben in Österreich und in Ungarn mit großem Erfolg produziert wurde. 1986 kam es aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der Firma Moser zu einem vorübergehenden Aussetzen, seit 2004 ist die Waldquelle Kobersdorf Eigentümerin der Markenrechte.

Nun gibt es Traubisoda rot, anlässlich des 80. Geburtstages. Geschmack und Aussehen erinnern an Schilchersturm, Traubisoda rot ist aber süßer und auch für Kindergaumen geeignet. Die totale Erfrischung stellt sich aber erst durch das Spritzen mit Mineralwasser ein. ms


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