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Manche Zahlen machen Spaß

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter

Sehr schön war er wieder, der steirische herbst. Und wichtig! Zwar gibt es in Graz fleißige Großinstitutionen und eine rege freie Szene, die übers Jahr die kulturelle Basisversorgung garantieren. Internationale Performance- oder Tanz-Formate sowie größere Setzungen in der Neuen Musik erlebt man aber fast nur im herbst. Die "Maschinenhalle #1", Formentis "Nowhere", die Arbeiten von Forsythe, Gehmacher oder Zapruder - viele dieser Ausnahmeproduktionen gäbe es ohne den herbst überhaupt nicht. Dass das Festival auch gut gelitten ist, zeigt die Statistik, die wir gerne weiterführen: 248 Einzelveranstaltungen bot der herbst heuer (ein Plus zum Vorjahr), 97,9 Prozent Auslastung (+), 43.788 Besucher (ein leichtes Minus von 50,9 Besuchern täglich), mehr als 800 teilnehmende Künstler (+200!), 172 Journalisten (-10). Pro Zuschauer standen somit 0,0183 Künstler zur Verfügung - ein neuer Rekord.

Es gibt aber auch weniger Erfreuliches zu berichten. Mit seiner Dotierung ist der herbst als "produzierendes Festival" an seinen Grenzen angekommen. Man spürt, er hätte das Zeug, noch deutlich mehr Relevanz zu generieren. Dazu müsste zweierlei geschehen: eine Absicherung der Landesgelder und ein deutlich höheres Committment der Stadt Graz, vor allem aber des Bundes, dessen finanzielles Engagement in der Provinz beleidigend gering ist. Rechnet man aus dem Kunstbericht 2009 den Steiermark-Anteil heraus, ergibt sich: Nur 3,884.731,50 Euro oder 4,26 Prozent des Bundesbudgets (ohne Theater und Museen) flossen ins Steirerland, 2008 waren es noch 4,35. Die Gesamtsumme entspricht zehn Prozent des Jahresbudgets allein der Wiener Volksoper. Da hört sich der Spaß echt auf.


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