Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Zur Kritik von diesem Ding, was jeder hat

Wir sind vermehrt darauf hingewiesen worden, dass keine Kolumne auf Dauer ohne fundierte beziehungsweise strenge Facebookkritik auskommen kann. An Facebook ist besonders jene Form von Exhibitionismus abstoßend, die allen Freunden mitteilt, dass X gerade "in einer Beziehung" oder sogar "in einer offenen Beziehung" mit Y ist. Y gefällt das (nicht). Sehr modern ist auch, immer mitzuteilen, wo man gerne Sex hat, zum Beispiel am Küchentisch, am Gehsteig, am Fensterbrett und so. Außergewöhnliches war bis jetzt noch nicht dabei, außer: am Bankomaten. Es kann sich dabei um normalen Exhibitionismus handeln oder auch um eine SM-Spielart (money slavery), die mit Demütigung und so zu tun hat, die auch online sehr gern verwendet wird, zum Beispiel Lady Alexandra bietet gratis ihre Dienste an, bei denen sie mit euch loosern zu Amazon und Paypal geht um euch so richtig auszunehmen. Oder euch in eurer Wohnung heimsucht und das Privatkonto schön leer macht. Man kann da schon eine Neigung entwickeln. Heimsuchen ist überhaupt ein schönes Wort und ein perfektes Gleitmittel zur nächsten Meldung aus Heilbrunn (berühmt für seine Kirche Mariä Heimsuchung), wo ein versuchter Bankomatraub begangen wurde. Heilbrunn ist mit 36 Einwohnerinnen so klein, dass man als Exhibitionist schon echt Glück haben muss oder als Bankomaträuber extrem Pech, wenn zufällig jemand vorbeikommt.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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