Protestlegenden

Extra | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Die Audimax-Besetzung jährt sich - und es ist höchst zweifelhaft, ob sie eine Neuauflage erfährt.

Es war einmal ? ein Haufen Studierende, denen die Studienbedingungen gewaltig gegen den Strich gingen. Deshalb setzten sie sich in den größten Hörsaal der Uni Wien und machten ihrem Unmut Luft. Von der Protestbewegung rund um die Audimax-Besetzung, die sich am 22. Oktober das erste Mal jährt, sind heute nur mehr die Erzählungen wirklich präsent. Es hat ein Buch darüber gegeben und bald einen Doku-Film. Doch der Großteil der Studierenden hat sich nach der Räumung des Audimax - oder eher schon lange davor - wieder in den Studienalltag eingegliedert.

Um ein bisschen aus dem wieder eingerissenen Alltagstrott herauszureißen, fand am 1. Oktober in Wien eine Demonstration zum Thema "Bildung in Nöten - Her mit den Kröten" statt. Mit mäßiger studentischer Beteiligung. Immerhin: Diesmal sind die Rektoren mit von der Partie, weil es - man hätte es kaum für möglich gehalten - den Unis finanziell noch schlechter geht als im letzten Jahr. Am 19. Oktober haben sie Vollversammlungen von Lehrenden und Studierenden angekündigt. Wir sind gespannt und malen schon mal Transpis.

Eine Prognose: Aber 90 Prozent der Studierenden werden weiterhin auf ihrem Hintern im Seminar sitzen bleiben. Es sei denn - Karl bewahre - die Studiengebühren werden wieder eingeführt. Dann werden auch die protestfaulsten Studierenden die Flaggen schwenken. Rund 400 Euro pro Semester tun immer weh genug, um vielleicht wieder einmal das Audimax zu okkupieren. Dann hätten wenigstens die Obdachlosen was davon.


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