Der Arbeiterstrich der Jungakademiker

Extra | Mara Simperler | aus FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Networking boomt. Wir finden es trotzdem grauslich. Eine Polemik.

In der Antike saßen mächtige Männer schweißüberströmt in Dampfbädern, besprachen Thronstürze und bestimmten das Schicksal der weniger gut Situierten. Ein Zeitalter später, im Mittelalter wurde beim feuchtfröhlichen Festbankett über ein paar Humpen Bier das eine oder andere Grafentum verschachert. Und sämtliche Elite-Geheimbünde von Harvard bis Heidelberg feiern in alten Hallen bei edlen Zigarren ebenfalls das Motto: "Gemeinsam sind wir stark".

Waren solche Netzwerke traditionell einigen wenigen Auserwählten (männlich, weiß, reich) vorbehalten, so kann heute jede und jeder auf eigens aufgezogenen Networking-Events Kontakte knüpfen, bis die Visitenkarten ausgehen. Wo früher ein Adelstitel, ein Batzen Geld oder eine Mutprobe den Weg in elitäre Kreise geebnet haben, kann man heute um Null Euro dem Karrierenetzwerk XING beitreten, um 12 Euro pro Monat dem Medien Club und ab 660 Euro pro Jahr darf man im Alumniverband


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