Neu im Kino

"Jackass 3D": Auf der Suche nach der verschissenen Zeit

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 43/10 vom 27.10.2010

3D ist nicht nur dazu da, uns irgendwelches Zeug per Fimbild effektiver ins Gesicht zu schleudern. Denken wir an "Avatar": Die Königsdisziplin des 3D-Kinos, so erwies sich da, besteht darin, zahllose Flankerl ätherisch im Raum schweben zu lassen. Ähnlich avanciert verfährt "Jackass 3D". Den dritten Kinofilm zu der Stunt- und Ekelshow, die 2000 auf MTV startete, gibt es also nun mit RayBan-Imitat auf der Nase zu sehen.

Wie in "Avatar" sind hier nicht nur groteske, verwundete oder in Geräte gespannte Körper zu bestaunen, sondern auch zahllose Flankerl, die ätherisch im Raum schweben. Obzwar eher braun als weiß, haben sie mit Camerons Schwebeorganismen gemeinsam, dass sie Medien sind: Materie, die ganz Ausdruck ist, Verdichtung eines gemeinsamen Empfindens, Sakralsubstanz einer rituellen Kultur, die das schiere Leben feiert. In der Schlüsselszene von "Jackass 3D" wird ein schon ausgiebig benutztes Mobiklo, in dem Stuntman Steve-O sitzt, als Ejection Seat genutzt: Ein Zeitlupenbild vom Inneren des katapultierten Häusls macht die Wirkung der Fliehkraft auf Extremperformer und Exkrement anschaulich, ja, synästhetisch fühlbar. Immer wieder mal tapst ein Kameramann durchs Bild und macht es uns vor: Er drückt auf REC, es reckt ihn recht, und uns geht's ähnlich. Aber fungierten Camerons Medien-Flankerln nicht auch als Gedächtnis? Nun, auch die holy shit und sonstige Materie der Jackass-Buben ist Gedächtnis, erinnert daran, dass sie den Vierziger knapp vor und viele wilde Stunts weit hinter sich haben. So geht der Film vom 3D zum 4D über, vom aktionistischen Raum zur verlorenen (verschissenen) Zeit: Man grölt nun nicht mehr wie in Teil 2 "The Best of times is now", sondern im Chor mit Weezer "Memories, how can we make it back there?" Ach ...!

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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