Theater Kritik

Die ganz und gar nicht liebe Familie

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 43/10 vom 27.10.2010

Irgendwann konnte der große Tom Waits seine verrucht verrauchte Säuferstimme bekanntlich nicht mehr brauchen und da hat er zu kreischen begonnen, zu keifen und zu stöhnen. Am TaO! macht Lucia Laggner als Musikbeauftragte diese und ähnliche Kreissägengeräusche zum Soundtrack für Ad de Ponts Jugendstück "Die Tochter des Ganovenkönigs". Dabei ist das wohl eher keine Kindermusik. Selbst Zwölf- bis Vierzehnjährige verlassen verlässlich den Raum, wenn Papa das CD-Laufwerk mit solchen Tönen misshandelt.

Auch Julchen ist so eine, die sich nicht anhören will, was ihre Eltern - der Ganovenkönig und seine Braut - so Tag für Tag ausdünsten. Das Mädchen mit dem goldenen Herzen und den vergoldeten Manieren wird von Constanze Winkler voll Ruhe und Leichtigkeit auf die Bühne gezaubert. Und das ist gar nicht so einfach, denn Karin Gschiel und Felix Krauss trachten der kleinen Prinzessin als Ganoveneltern nicht nur nach dem Leben - sie laufen auch ständig Gefahr, dem braven Mädchen mit unflätigen Flüchen, supercoolen Pappkartonmasken (Ausstattung: Bernhard Bauer) und rasantem Rollenwechsel die Show zu stehlen.

Ab und zu fallen die beiden angesichts der eigenen Wildheit aus der Rolle und fragen sich, was das alles eigentlich in einem Jugendstück verloren hat. Eh nichts (wie auch der Tom Waits, aber das hatten wir schon). Es wundert wenig, dass Julchen das übrigens auch so sieht. Und sie will sich von den Eltern scheiden lassen. Der Richter ist zwar ein Schwein, aber immerhin hat er es nicht auf ihr Herz abgesehen ? Kurz und bündig: Manfred Weissensteiner und sein geniales Team haben einen Antikinderundjugendtheaterabend hingelegt, nach dem einem nichts zu sagen bleibt als: Scheiße, das war echt saumäßig gut!

Theater am Ortweinplatz, Fr 12.00


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