Kommentar

Die Familienbeihilfe ist mehr als 150 Euro im Monat

Studierende

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 43/10 vom 27.10.2010

Ausgerechnet die Familienbeihilfe wollen die Familienpartei ÖVP und die Sozialpartei SPÖ kürzen. Bisher bekam diese jeder Student bis zum 26. Lebensjahr ausgezahlt, künftig soll sie nach dem 24. Lebensjahr wegfallen. "Das ist vertretbar", befindet zum Beispiel der Standard, "niemand wird sein Studium im 12. Semester abbrechen, weil die Eltern keinen Zuschuss mehr erhalten."

Das ist falsch. Natürlich wird diese Kürzung vielen Familien das Leben erschweren, derzeit bekommen sie 150 Euro dreizehn Mal pro Jahr ausgezahlt, dazu noch zwölf Mal den Kinderabsetzbetrag. Das sind insgesamt 2690 Euro pro Jahr. Für eine Familie, die drei Kinder hat, diesen das Studium ermöglichen will und gleichzeitig einen Kredit abzahlt, ist das viel Geld. Wenn es wegfällt, werden die 25- und 26-Jährigen zu einer "Risikogruppe", so wie die 27-Jährigen. Die sind laut "Studierenden Sozialerhebung" des Wissenschaftsministeriums schon jetzt eine "Risikogruppe". Weil in diesem Alter die Beihilfe wegfällt, befinden sich 42 Prozent der 27-Jährigen in finanziellen Schwierigkeiten. Will der Staat, dass es den 25- und 26-Jährigen auch so schlecht geht?

Die Kürzung wird nicht nur "Bummelstudenten" treffen, sondern fleißige junge Leute. In Medizin beträgt die Mindeststudienzeit 12 Semester. Wenn ein junger Mann nach dem Zivildienst Medizin studiert - und das im Eiltempo - wird er am Ende seiner Ausbildung trotzdem ohne Familienbeihilfe dastehen. Das ist absurd. Die Familienbeihilfe ist mehr als nur 150 Euro im Monat. Sie ist eine soziale Errungenschaft. Es ging ursprünglich darum, möglichst vielen jungen Menschen das Studium zu erleichtern, und nicht darum, sie mit 25-Jahren im Stich zu lassen.


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