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Bücher, kurz besprochen

Richard Wimmer | Politik | aus FALTER 43/10 vom 27.10.2010

Auf der Suche nach Schuldigen

Wer ist nun schuld an der Wirtschaftskrise? Da kursieren im Wesentlichen zwei Erklärungsversuche, je nachdem, welchen ideologischen Standpunkt ein Experte vertritt: Es sei Marktversagen, verursacht durch deregulierte, enthemmte und risikovergessene Finanzmärkte sagen jene, die den Marktfundamentalismus ablehnen.

Es sei Staatsversagen, weil die US-Regierung den ärmeren Schichten den Traum vom Eigenheim ermöglichen wollte durch die Vergabe billiger Kredite an Kreditunwürdige ("Subprime"), sagen die anderen.

Diesen Fragen geht der renommierte US-amerikanische Journalist Robert Scheer in "The Great American Stickup" nach, er entlarvt mittels Zahlen und Fakten die Argumente der neokonservativen Staatskritiker als das, was sie sind: bloße ideologische Phrasen.

Aber auch die Demokraten bekommen ihr Fett ab: Die Republikaner unter Ronald Reagan mögen zwar die Deregulierung der Finanzmärkte ideologisch aufbereitet haben, umgesetzt wurde diese jedoch weitgehend unter Präsident Bill Clinton. Unter seiner Regierung wurde zum Beispiel die Trennung von Geschäftsbanken von den Investmentbanken aufgehoben (Glass-Steagall Act), eine Trennung, die sich seit der Depression in den 30ern bewährt hatte. Mehr noch, viele jener Leute, die das Mantra der Deregulierung unter Clinton und George W. Bush gepredigt hatten, sitzen leider auch heute noch unter Präsident Barack Obama an wichtigen Schalthebeln oder gerieren sich als dessen Berater.

Wen wundert es da, dass die US-Banken nach der Krise fast ungeschoren davon-kamen.

Es ist ein zorniges Buch, das nicht im Abstrakten hängenbleibt, sondern das Licht auf die Akteure und Profiteure richtet, auf die Verflechtungen zwischen Regierung und Wall Street. Und auf die Millionen Menschen, die die Zeche für die Wirtschaftskrise zahlen müssen.

Robert Scheer: The Great American Stickup.Nation Books, 304 S., ? 11,99


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