Mediaforschung

Warum trägt Ihr Model rosa Strümpfe, Herr Tran?

Nachfragekolumne

Medien | Marianne Schreck | aus FALTER 43/10 vom 27.10.2010

Erinnert sich noch jemand an den Palmers-Mann, der in den frühen 90er-Jahren nackt bis auf die weiße Tennissocke keck von den großen Werbeflächen auf die Stadt blickte? Der Antithese zum sexuell attraktiven Mann wurde damals gehuldigt. Nun hat die deutsche Traditionsfirma Falke, spezialisiert auf die Erzeugung von Strumpfwaren, mithilfe der französischen Agentur Air/Garden & Partners ein ähnliches Printwerbesujet aufgegriffen.

Ken, der personifizierte Gegenspieler von Barbie, blickt uns da entgegen. Er thront auf einem Drehstuhl, sein Oberkörper ist nackt, der Blick auf die Lendengegend ist durch die geschickte Platzierung seiner langen Beine verstellt. "Man darf nicht in die Falle tappen, den männlichen Körper als Objekt zu repräsentieren. Das Gleiche gilt für den weiblichen", sagt Tho Van Tran, der auch als Art Director für große Modelabels wie Jil Sander verantwortlich zeichnet.

Die Beine des Models sind rosabestrumpft bis fast unter die Knie. Gleichzeitig wurde ihm ein graumelierter, zahmer Wolf zur Seite gestellt. Was soll diese Mischung aus wildem Tier und rosa Strümpfen symbolisieren? "Es geht weniger darum, den sanften Mann und seine maskuline Seite zu zeigen, sondern dieser Mann soll als ein kühner dargestellt werden, der nicht in die gängigen Klischees passt", sagt Tho Van Tran.

"Männer sollten in der Darstellung ihrer Männlichkeit freier umgehen können", setzt der französische Werber nach. Wie viel halbnackte Körper der öffentliche Raum verträgt, ist seit jeher Teil heftig geführter Gleichstellungsdebatten. Tran sagt: "Es ist jedenfalls fair, und ich sehe auch keinen Grund dafür, warum Frauen sich nicht an dem Anblick eines großartigen Mannes erfreuen sollten, während sie im Bus sitzen, auf dem Weg zu ihrer Arbeit."


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