Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Julia Ortner | Medien | aus FALTER 43/10 vom 27.10.2010

Vergesst die klassische griechische Tragödie mit ihrem Heulen und Wehklagen. Jetzt kommt Mario Soldo und überwältigt uns mit seiner Gefühlswucht. Ein Mann wie ein Fluss voller Tränen. Der "Helden von morgen"-Juror legt seinen Fernsehjob als Menschlichkeitsexperte einer neuen Dimension an - Drama, Baby, Drama. Der Erfinder dieses großen Satzes, TV-Emobombe Bruce Darnell, sieht dagegen schon wie ein unterkühlter Modefuzzi aus. Soldo, einst als Szene-Ich-Ich-Ich-AG bekannt, fiebert und leidet mit den jungen Kandidaten seiner Castingshow dermaßen mit, dass man beinahe Mitgefühl mit ihm haben möchte. Etwa als er mit seinen Jurykollegen eine junge sehbehinderte Kandidatin aus der Show verabschieden muss. Das Mädchen weint, die anderen Mädchen weinen, Soldo weint, Soldos Kollegin weint und Soldos cooler Plattenfirmenkollege kriegt feuchte Augen - griechische Verhältnisse eben. Interessant ist dabei eines: Man nimmt Soldo die Emotionen fast wirklich ab.

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