Selbstversuch

Das könnte dann langsam mal aufhören

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 43/10 vom 27.10.2010

Die Woche war überlagert von Annas Geburtstag, irgendeiner, gar kein wichtiger, aber Anna hat beschlossen, Geburtstage jetzt endlich einmal ernst zu nehmen. Es war nicht ganz einfach, dazwischen noch andere Dinge unterzubringen, Hacke, Haushalt, Haarschnitt, bisschen Weltretten, Mittagessen mit Hilde im Mono. Bzw. vor dem Mono, wo wir mit unseren Teetassen standen und rauchten. (An dieser Stelle ein stilles Danke an denjenigen, der meiner Mutter erzählt hat, dass ich wieder rauche: herzlichsten! Sie sieht mich bereits auf der Krebsstation röcheln. Bitte hiermit darum, ihr auch auszurichten, dass mich die Raucherei bereits wieder dermaßen nervt, dass ich schon nächste Woche damit aufhören werde, gleich, wenn ich aus Berlin zurück bin, wo wir Annas Geburtstag dann hoffentlich fertig gefeiert haben werden.)

Das Gespräch mit Hilde drehte sich, wie viele Gespräche derzeit, um die Innenministerin, ihre Intentionen, Ambitionen und die Frage, ob Fekter tatsächlich böse sei. Oder nur böse tue. Hilde sagt: böse. Ich neige eher der für eine Feministin durchaus gewagten Ansicht zu, dass manche Frauen für manche Ämter einfach nicht geeignet sind, speziell überehrgeizige, unsichere Frauen für solche Law- und-Order-Ämter wie ein Innenministerium. Weil warum? Weil sie allen beweisen müssen, dass sie das Amt nicht wie eine Frau führen, nicht wie man es von einer Frau erwartet, also mit diesem Frauen angeblich immanenten Mitgefühl, sondern männlicher als ein Mann. Ich halte Fekters demonstrative Herzlosigkeit für ein ähnliches Phänomen, wie man es bei manchen frischen Transgenderleuten erlebt, die erst einmal das andere neue Geschlecht ganz nach Typenschein durchexerzieren, sich vollständig alle plattesten Klischees und offiziellen Merkmale aneignen, die Frauen/Männer angeblich ausmachen, und im Gegenzug alle typischen Charakteristiken des abgelegten Geschlechts radikal unterdrücken. Allerdings entspannen sich die meisten nach einiger Zeit, weil das ja nicht funktioniert. Maria Fekter nicht, und je länger sie versucht, ihre Idee eines Innenministers zu verkörpern, kalt, nüchtern, mitleidlos, desto mehr wird sie zu einer Karikatur eines Innenministers. Tatsächlich gibt es bereits Leute, die bei Fekter eine soziopathische Persönlichkeitsstörung befürchten, und gemeinsam mit Initiator David Schalko sind es bereits mehrere tausend "Einschreiter", die ans Bezirksgericht Vöcklabruck eine Anregung auf "Besachwalterung" der Innenministerin richten wollen, da zu befürchten sei, "die Betroffene könne manche der ihr übertragenen Angelegenheiten nicht mehr ohne Gefahr für sich selbst und nicht mehr ohne erhebliche Gefahr für andere besorgen". Die Fekter-Amtszeit hat mit Annas Geburtstag gemein, dass sie jetzt dann einmal ein Ende nehmen sollte, aber jetzt muss ich nach Berlin, weiterfeiern, sorry.


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