Fragen Sie Frau Andrea

Ein Boot namens Fiasko

Kolumnen | aus FALTER 43/10 vom 27.10.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

ich war heuer im Sommer auf der kroatischen Insel Ilovik. Keine Autos, keine Straßen, ein kleines Dorf, ein Yachthafen. Boote unter aller Herren Länder Flaggen, mit Namen wie "Seastar", "Invincible", "Oceanqueen", "Triumph" etc. Ein einziges dieser Boote trug Rot-Weiß-Rot. Auf dem Heck prangte in stolzen Lettern der Schriftzug: "Fiasko". Was könnte der tiefere Grund für eine solche Namensgebung sein?

Mit vorzüglicher Hochachtung,

Helmut Emersberger, per Elektrobootschaft

Lieber Helmut,

seit der Antike gilt die Wasserstraße Ilovacka vrata zwischen den kroatischen Inseln Ilovik und Sveti Petar wegen ihres natürlichen Schutzes gegen die meisten Winde - mit Ausnahme des Südwinds "Jugo" - als sicherer Hafen und beliebter Ankerplatz zwischen nördlicher und südlicher Adria.

Trotz dieser nautischen Vorzüge ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass sich ein kanadisches Segelboot in die Kvarner Bucht südlich der Insel Losinj verirrt hat. Hört doch der ultraleichte Segler der Type Olson 30 eines gewissen Ian Waller aus Victoria, British Columbia, auf den Namen "Fiasco".

Auch die Möglichkeit, dass ein Bootseigner seine Schaluppe nach dem US-amerikanischen Rapper Lupe Fiasco benannt hat, wollen wir ausschließen. Für wahrscheinlicher hielte ich es jedoch, dass es sich bei Ihrer Bootssichtung um den Eigenbau des Grazer Architekten Hagen Zurl handelt, der 1975 von einem Aufenthalt auf Elba mit der Überzeugung zurückgekehrt war, ein eigenes Boot müsse her - und behände eine Polyesteryacht von neun Metern Länge auf den Kiel stellte. Der Name des selbergeschnitzten Fahrtenseglers: Fiasko. Das nächste Boot Zurls, ein Rekordregattasegler, hieß schon "Gran-Fiasko".

Der Name dürfte die Bedeutung des Wortes Fiasko spielerisch konterkarieren, handelt es sich doch um ein antonymisch gebrauchtes Tabuwort, das dem Aberglauben folgt, die Schicksalsmächte verkehrten gute Wünsche stets in ihr Gegenteil. Es bezeichnet, vom italienischen "far fiasco" (eine Flasche machen) kommend, einen Misserfolg, Bauchfleck, Zusammenbruch.

Mast- und Schotbruch, Käptn, ahoi!


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