Kritik

Fotorealismus: Stillleben mit French Fries

Lexikon | aus FALTER 44/10 vom 03.11.2010

Ist das nun konzeptuell ausgefeilte Malerei über Malerei oder spießige Zurschaustellung handwerklicher Virtuosität? Seit dem Beginn der fotorealistischen Malerei in den USA der 60er-Jahre herrscht Uneinigkeit über die kunsthistorische Bedeutung dieser gut verkäuflichen Kunst. Das Sammlerpaar Ludwig konnte auf alle Fälle nicht widerstehen: Die Exponate der Ausstellung "Hyper Real" stammen aus mehreren Ludwig-Museen. Ein Porträt des heute wenig bekannten Malers Jean Olivier Hucleux zeigt auch noch die kleinsten Falten des Industriellenpaares.

Mit Chuck Close, Malcolm Morley, Franz Gertsch oder Duane Hanson sind alle wichtigen Künstler der Kunstrichtung vertreten, aber auch viele andere, deren Werke man fast lieber nicht sehen möchte. Die sehr durchwachsene Auswahl bezieht ihre Spannung aber gerade aus progressiv repräsentationskritischen Tendenzen versus einer traditionalistischen Vorstellung von Malkunst. Die Wahl banaler Motive macht die große Nähe des Hyperrealismus zu Edward Hopper sowie der Pop-Art deutlich, aber auch zu den niederländischen Stillleben und Interieurs des 17. Jahrhunderts.

Das Verhältnis zur Fotografie hinterfragt die Schau schlüssig durch zeitgleich entstandene Farbaufnahmen von William Eggleston und Streetphotography von Lewis Baltz, Joel Meyerowitz und anderen. Am wenigsten überzeugen die Aufnahmen von Zeitgenossen wie Markus Schinwald oder Kyungah Ham. Warum hier nicht in der Flut figurativer Malerei der letzten Jahre nach Andockstellen gesucht wurde, bleibt schleierhaft. NS

Mumok, bis 13.2.


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