Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 44/10 vom 03.11.2010

Ewigkeit Amen

Der Tod in Wien - ein ewiges Thema um diese Jahreszeit. Vor 20 Jahren erforschten Birgit Kellner und Thomas Vasek den Weg eines Leichnams und schilderten die Tätigkeit eines Bestatters. Bestattet wurde später übrigens der Umbau des Ronacher durch die Architekten von Coop Himmelblau, den Katharina Gsöllpointner hier noch freudig ankündigte. Während auf den folgenden zwei Seiten Christian Zillner eine Polemik gegen dekonstruktivistische Architektur losließ.

Ebenfalls von zeitloser Schönheit scheint mir folgende Montage aus Zitaten von Leitartikeln des Nachrichtenmagazins Profil zu sein. Weder in Politik noch in Journalismus hat sich allzu viel geändert in diesen 20 Jahren.

"Manövriermassen werden verschoben. Für Galanterien ist keine Zeit. Am schnellsten einigt man sich über die innere Sicherheit. Zum Aufwärmen werden die Hamster mit den weichen Themen fertig. Schnupperrunden nennt man das, wen die süßen Nager mit den Näschen zittern. Der Finanzminister legt Humor an den Tag, so kennt man ihn gar nicht. Man signalisiert Bereitschaft. Die Hamster formieren sich zu Stoßtrupps, Kohorten und Bataillonen. Allseits ortet man Handlungsbedarf. Orten macht Hamstern überhaupt Freude. Glühende Verfechter unken. Artigkeiten werden ausgetauscht, aber nur kurz, denn rasch kommen die Herren zum Punkt: Milliardenschwer Verankertes wird einfach umgewandelt.

Da staunt der Kanzler, dessen generelle Marschlinie im Großen und Ganzen klar war (doch eine Abweichung zu heute!, Anm. AT). Aus einer Sammlung Überschriften entstand über Nacht ein klarer Konsens. Konkrete Poesie dominiert, wo einzelne Fragen fein säuberlich aufgelistet werden, wenn auch die Paketschnürer vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Die Mahnung des Verhandlungsführers kam reichlich spät. Schon werden Knackpunkte ausgerufen, hurtig positionieren Nager Zündstoff." AT


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