Meinesgleichen

Pakete des Terrors und der Terror des Pakets

Falter & Meinung | aus FALTER 44/10 vom 03.11.2010

Kaum hatte man sich mit Mühe daran gewöhnt, Redewendungen wie "ein Paket schnüren", "ein Paket wieder aufschnüren" oder, neuerdings, "ein Paket auf den Weg bringen" als substanzielle Emanationen unserer Politik aufzufassen, sozusagen als in Phrasen gegossene Politik, schlägt der Paket-Terror realiter zu.

Natürlich ist nicht die politische Akademie der ÖVP, sondern Al-Kaida hier tatverdächtig, und naturgemäß müssen die Sicherheitssysteme unserer Flughäfen nun auf Vordermann gebracht werden. Dass Bomben nicht nur an Terroristen befestigt, sondern auch in Koffern oder Paketen transportiert werden können, worauf man sie als Terrorist bequem aus der Ferne zündet, auf diese Idee kam man offenbar erst jetzt.

Der Terrorist, der den Zünder auslöst, muss bedauerlicherweise darauf verzichten, sogleich den Huris des Paradieses ins unverschleierte Samtauge zu blicken. Aber der Terror, den er verursacht, ist auch nicht besser, als hätte er sich selber mit zum Opfer gebracht. Darin besteht ein gewisser Unterschied zu unseren Phrasenterroristen. Sie brauchen nicht zu halten, was sie festgezurrt haben, im Aufschnüren sind sie allemal besser als im Zuschnüren, und genau genommen sind sie selber nur im Paket zu haben: im rotschwarzen Doppelpack. Zugegeben, die Wählerschaft hat dieses Paket ein ums andere Mal auf den Weg gebracht, nun aber steht sie ratlos vor der Frage, wie sie dieses auf den Weg gebrachte verschnürte Ding je wieder wegbringt.


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