Der Fluch des Namens

Politik | aus FALTER 44/10 vom 03.11.2010

Was treibt Tilo Sarrazin an? Um das zu ergründen, muss man ihn beim Namen nehmen

Essay: Danny Leder

Als Zwölfjähriger erlebte ich in Österreich erstmals einen gefährlichen politischen Konflikt. Auslöser war ein Mann mit einem für die deutsche Zunge quasi unaussprechbaren Namen: Taras Borodajkewycs. Seine Familie stammte obendrein aus Galizien, seine Mutter hieß Löwe, was zu allerlei Vermutungen berechtigt. Trotzdem war er auch noch 1966, als Professor für Verfassungsrecht an der Wiener Hochschule für Welthandel, ein bekennender Anhänger des Deutschnationalismus. In seinen Vorlesungen trieb es ihn immer wieder aufs Neue, Österreichs Bundesverfassung von 1920 als "verjudet" zu bezeichnen. Diese Attacken galten dem Mitgestalter der Verfassung, dem legendären Rechtswissenschaftler Hans Kelsen.

Borodajkewycs ruhte nicht eher, bis er die schwerste Nachkriegskrise Österreichs ausgelöst hatte: Zusammenstöße zwischen den Anhängern des damals noch mächtigen Ring Freiheitlicher Studenten

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