Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | Barbara Tóth | aus FALTER 44/10 vom 03.11.2010

Der AKH-Skandal als Katalysator

Es gab eine Zeit, da musste sich Österreich vom deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel den Vorwurf gefallen lassen, eine "Skandalrepublik" zu sein. Das war 1985, als Weinskandal, Udo Proksch, die Steuersache Hannes Androsch und die Reder-Frischenschlager-Affäre das Land beschäftigten. Der AKH-Skandal lag da schon fünf Jahre zurück - und die aktuelle Affäre rund um Nötigung im größten Wiener Spital war noch nicht geschehen.

Weil die Aufregung um aktuelle Affären den Blick auf alte Malversationen gerne verstellt, lohnt es sich immer wieder, im österreichischen Standardwerk zu diesem Thema nachzuschlagen. Die Politikwissenschaftler Michael Gehler und Hubert Sickinger haben es 1995 zusammengestellt, 2007 wurde es neu aufgelegt. Anton Pelinka ordnet darin den alten AKH-Skandal als Wendepunkt für den "Zerfall der Geschlossenheit" der österreichischen Nachkriegsgesellschaft ein, als Schlüsselerlebnis für die Ära Kreisky. Wer den Beitrag über die "Krauland-Affäre" liest, stellt schnell fest, dass Filz und Korruption auch in den 50er-Jahren dazugehörten. Inzwischen ist einiges passiert: Bawag, Buwog & Grasser. Also höchste Zeit für eine stark erweiterte Neuauflage.

Michael Gehler, Hubert Sickinger: Politische Affären und Skandale in Österreich. Studien Verlag, 2007, 776 S, ab ? 70,-


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