Mediaforschung

Herr Zoubek, warum lassen Sie Kräuter an Laternen wachsen?

Nachfragekolumne

Medien | Barbara Schellner | aus FALTER 44/10 vom 03.11.2010

Über Nacht waren sie plötzlich da. Kräuterstöckerl. Auf Verkehrsschildern, Ampeln und Laternen. Mitten in der Stadt. Beim genaueren Hinsehen entdeckte man dann schnell den grün-gelben Knorr-Schriftzug. Am Naschmarkt, Schottentor und im Alten AKH staunten ahnungslose Fußgänger Mitte Oktober über Basilikum, Schnittlauch und Rosmarintöpfe, die im öffentlichen Raum aufgehängt wurden.

"Ja, wir haben die Kräuter im Rahmen einer Outdoor-Guerilla-Marketingaktion für die Firma Knorr mitten in der Nacht verteilt", sagt Alexander Zoubek, Geschäftsführer der Wiener Agentur Division 4. Mit dieser Marketingaktion will Knorr auf die neue Produktlinie hinweisen, die laut Werber mehr natürlichen Geschmack und weniger künstliche Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel beinhalten soll. Freilich wollte der Lebensmittelhersteller nicht nur gratis Kräuter an Wiener Passanten verteilen, sondern vor allem die eigene Werbebotschaft verbreiten. Deswegen war neben den Kräuterstöckerln stets am Boden der Slogan "Guter Geschmack ist unsere Natur" zu lesen. Dabei hatte die Agentur ein Verfahren angewendet, das angeblich besonders umweltschonend sein soll. "Mittels Hochdruckreiniger und einer Schablone wird das Logo direkt und ganz natürlich auf den Gehsteig appliziert statt wie üblich mit Lack oder Farbe zu sprayen", sagt Zoubek.

Bei dieser Aktion handelt es sich um sogenanntes Guerillamarketing. Die Werber wollen damit den Konsumenten überraschen und auf diese Weise mehr Aufmerksamkeit für ihr Produkt erregen. Zoubek kündigt ähnliche Guerillaaktionen für das kommende Jahr an. Die Kräuter scheinen den Wienern jedenfalls geschmeckt zu haben: Alle 900 Töpfchen waren innerhalb von 24 Stunden verschwunden.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige