Ins Mark

Müssen wir bald Huchen suchen?

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 44/10 vom 03.11.2010

Gerlinde Pölsler leitet das Ressort Stadtleben im Steiermark-Falter

Endlich kommt frischer Schwung in die Diskussion um das geplante Murkraftwerk: Zu verdanken ist das der neuen Huchen-Studie, laut der die Staustufe mitten in Graz dem Huchen sehr wohl den Garaus machen werde.

Es ist auch höchste Zeit, will doch der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl schon Anfang nächsten Jahres eine Volksbefragung darüber durchführen lassen. Und das, wo der Informationsstand nicht der Beste ist. Die Gegner haben wenig Kohle, während die Estag sich nicht lumpen lässt: In doppelseitigen Inseraten lässt sie reihenweise Meinungsbildner das Kraftwerk bejubeln. Die Estag hat gar ihre Mitarbeiter angewiesen, zumindest je zwanzig Unterschriften für die Staustufe zu sammeln.

Sie hat freilich gute Gründe: Die Estag hat bereits mehr als zwei Millionen Euro in das Projekt gesteckt. Damit steht die Befragung in keinem guten Licht da, sie kommt reichlich spät. Möchten die Befürworter, allen voran die Grazer ÖVP, sich nicht vorwerfen lassen, sie wollten mit allen Mitteln bloß ein Ja der Bevölkerung abholen, müssen sie endlich eine sachliche Debatte in Fahrt setzen, in der Befürworter wie Gegner zu Wort kommen. Darum müssen sich auch die Grünen bemühen, die zwar gegen das Werk, aber für eine Volksbefragung sind. Wie lange will man warten - versinkt doch Graz schon in zwei Wochen bis Weihnachten im Punschnebel?

Alles muss auf den Tisch: Wie viele Bäume fallen? Wie hoch ist die Überflutungsgefahr, wer haftet, wenn etwas passiert? Und vor allem: Wo das Kraftwerk doch selbst laut Ex-Estag-Chef Karl-Franz Maier bloß den steirischen Stromverbrauchszuwachs von einem Jahr abdeckt - wo fangen wir nächstes Jahr zu stauen an?


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