Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 44/10 vom 03.11.2010

Was Studenten, Schüler und Fahrräder verbindet

Ein relativ sympathischer Freund, den wir X nennen wollen, lässt seine Wohnung in Graz aus prinzipiellen und spirituellen Erwägungen immer offen, wenn er nicht da ist. Er ist nämlich davon überzeugt, dass Einbruchsparanoia auf energetischer Ebene Einbrecher anzieht. Wir haben es hier mit einer Paranoia zweiter Ordnung zu tun, denn der Glaube an ein solches Energieprinzip ist ja erst wieder religiös und Religionen sind die Urmutter der Paranoia. Auch die Wissenschaft ist ständig damit beschäftigt, Zusammenhänge herzustellen, etwa zwischen Testosteronmangel und Jahreszeiten oder auch zwischen "wirtschaftlichem Verständnis und Risikoverhalten Grazer Jugendlicher" in verschiedenen Schultypen. Vergleichsweise unbewiesen sind hingegen die Zusammenhänge zwischen normaler Handystrahlung und erhöhtem Krankheitsrisiko sowie zwischen dem Anteil von Studenten in einer Stadt und den Fahrraddiebstählen, wo nämlich Graz österreichweit mit Abstand vorn liegt und auch international noch vor Berlin, München oder Zürich rangiert. Vielleicht haben Studenten ebenso wie Fahrraddiebe einfach nur ähnliche Interessen und ziehen deshalb vorwiegend in dieselben Städte. Dass Fahrräder gestohlen werden, weil so viele Studenten da sind, wäre ein logischer Trugschluss, den man "Texas Sharpshooter fallacy" nennt. Es besteht hierin aber kein Zusammenhang zu jugendlichen Amokläufern, von denen wir aber schweigen sollten. Wir sollten sie uns nicht mal vorstellen.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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