Kritik

A Haaße mit an Siaßn: Carmen am Würstelstand

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

In "Nix wie weg!" (Schauspielhaus Graz, 2008) standen Franz Wittenbrinks singende Schauspieler schon beim Würstelstand, im Burgtheater warteten sie im strömenden Regen auf den Abflug ("So leben wir und nehmen immer Abschied", 2009). In der Josefstadt sind sie jetzt wieder beim Würstelmann angekommen und sagen sich: "Eh wurscht". Derart zum Toben und Applaudieren wurde das Publikum mitten im Achten schon lange nicht mehr animiert, aber dafür sorgt das Hausensemble mit Leichtigkeit.

Wittenbrinks musikalische Abende sind mittlerweile legendär, und auch diesmal trifft der Regisseur und Musiker mit leicht bis schwer veränderten Arrangements von Mozart (ein "Ko-lorato-itus" der Königin der Nacht) bis zu den Disco Party Brothers ("Warum hast Du keine Katze? - Party!") den Geschmack so gut wie aller. Nur als Appetitmacher erwähnt seien Sona MacDonald, die eine Carmen im Kopfstand gibt, Toni Slama als versoffenes Wrack, das Peter Alexanders Version von "Delilah" lalalallt, und Michael Dangl, der als russischer Straßenmusikant wie einst Donald Duck (1935 in "The Band Concert") immer noch ein kleineres Instrument aus einer Innentasche zaubert und allen auf die Nerven geht. Großer Spaß auf unerwartet hohem gesanglichem Niveau garantiert!

Theater in der Josefstadt, Sa 19.30


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