Kritik

Wenn Romeo und Julia Geschwister wären

Lexikon | Sara Schausberger | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

Der Liebe zwischen Bruder und Schwester sind Grenzen gesetzt, auch im Italien des frühen 17. Jahrhunderts, in dem John Ford, ein Zeitgenosse Shakespeares, seine inzestuöse Liebesgeschichte "Schade, dass sie eine Hure war" angesiedelt hat. Bruno Max' Inszenierung ist der Versuch, besonders leidenschaftlich, dramatisch, grausam und trotzdem witzig zu sein. Das Geschwisterpaar Annabella und Giovanni treibt vor bunten Kirchenfenstern sein Liebesspiel auf rotem Samt, brennende Kerzen säumen den Bühnenrand, Choräle unterstreichen die überdramatische Handlung. Zum Schluss fließt viel Theaterblut, und Giovanni spießt mit einem Dolch das Herz seiner Schwester auf. Der Tragödie hätten weniger Blut und weniger Tragik besser getan.

Scala, täglich außer So/Mo 19.45 (bis 20.11.)


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