Vernissage

Schlingensief: Herz und Auge bleiben wachsam

Lexikon | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

Jede Belichtung benötigt das Dunkel. Der Animatograph ist die dunkle Seite dieser Belichtung", so äußerte sich Christoph Schlingensief über seinen großen Wurf der letzten Jahre. Als eine Mischung aus Bühnenbild und Kunstinstallation könnte man den Animatographen beschreiben, eine "aktionistische Fotoplatte", die der viel zu verstorbene Regisseur und Künstler auch für sein Stück "AREA 7" im Burgtheater verwendete. Die Kunstsammlerin Francesca Habsburg und Schlingensief kooperierten in der Vergangenheit mehrfach und sie realisierten für das Reykjavik Festival 2005 die erste Version der Drehbühnenkonstruktion.

Nun findet bei Thyssen Bornemisza Art Contemporary eine Ausstellung statt, die sich mit Schlingensiefs Werk beschäftigt. "Figura cuncta videntis", das allsehende Auge, nennt sich die Schau, die als Hommage konzipiert ist. Elf performativ ausgerichtete Arbeiten von internationalen Künstlern (u.a. John Bock, Chicks on Speed, Dan Graham, Jonathan Meese) sind zu sehen, von denen etliche von Thyssen Bornemisza kommissioniert wurden. Während der Eröffnung finden Performances und ein Live-Ritual von Nevin Aladag, Palli Banine & Daví Örn Halldórsson statt. Das Herzstück der Ausstellung bildet jedoch die islandische Edition des Animatographen, bei der sich Schlingensief mit Richard Wagner ebenso wie mit nordischen Sagen und Mythen beschäftigte. Am 17.11.findet ab 17.00 ein Gespräch mit den beteiligten Künstlern statt. NS

Thyssen Bornemisza Art Contemporary, Di 18.00; bis 16.4.


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