Neu im Kino

"Unstoppable" - Tony Scott außer Kontrolle

Lexikon | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

Seit Jahrzehnten filmt Tony Scott alles, was sich bewegt: Kampfflieger ("Top Gun"), Rennautos ("Days of Thunder"), U-Boote ("Crimson Tide") und U-Bahnen ("Pelham 123"). Die Menschen sind da unnützer Ballast und, wenn die Technik scheitert, fast immer daran schuld.

Nun erfüllt sich der Industriehandwerker einen Bubentraum und filmt - Eisenbahnen! Das sieht dann so aus, dass sich an einem schönen Herbsttag in einer hässlichen Industriestadt Pennsylvanias ein Zug - natürlich nach menschlichem Versagen - in Bewegung setzt und, mit Chemikalien beladen, quer durchs Land braust.

Nach der Kurzpräsentation zweier Hauptcharaktere - Denzel Washington als erfahrener Lokführer und Chris Pine als sein neuer junger Kollege - geraten die privaten Schwierigkeiten der beiden alsbald aufs Abstellgleis, wenn die zwei Familienväter zur Rettung von Land und Leuten mit einer eigenen Lok die Verfolgung des Geisterzugs aufnehmen.

Und wenn es zwischen den Generationen nicht gerade unangenehm, weil unbeholfen menschelt ("Call your wife!") und sich Scott von der Realismus suggerierenden Wackelkamera zu Beginn verabschiedet hat, gewinnt "Unstoppable - Außer Kontrolle" tatsächlich an Fahrt: Wie ein rotes Projektil bohrt sich der Zug unaufhaltsam durch die Landschaft, begleitet von einem Schwarm Fox-Hubschrauber, die in einem Fox-Film natürlich alleiniges Senderecht haben.

So passt das, was Wolfgang Schivelbusch in seinem auch filmtheoretisch relevanten Standardwerk über die mechanische Bewegung der Eisenbahn schrieb, irgendwie auch zu diesem Film und seinem Regisseur: Beide sind sie getrieben und gekennzeichnet von Gleichförmigkeit und Unermüdbarkeit. MP

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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