Musiktheater Kritik

Im selben Boot mit Mozart

Steiermark | Herbert Schranz | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

Die neue Produktion von Mozarts "Don Giovanni" (1787) an der Oper Graz wartet mit einer grandiosen Ensembleleistung auf. Im Gegensatz zu dieser wurde die ebenso großartige Regiearbeit von Johannes Erath von Teilen des Publikums nicht gewürdigt. Buhwellen befeuerten aufgebrachte Bravorufe.

Die klare, schlüssige und subtile Regiesprache Eraths ist nicht schwer verständlich. Nach einem frappierenden Beginn der Oper mit deren Ende kann man sich bald ihr Vokabular erschließen. Das anfangs über Lautsprecher eingespielte vorletzte Schlusssextett des Stücks verewigt, zu restlos ernüchterten Gesichtern aller Protagonisten (außer Don Giovanni), den Kreislauf seines Geschehens.

Mozarts riesiges Verdienst war es, eine Polyphonie von Stimmen auf Opernensembles übertragen zu haben, die man bis dato nur von alter Kirchenmusik gekannt hatte, oder von Bachs Fugen. Die verschiedenen Äußerungen mehrerer Personen führte er in geschlossene Opernbilder zusammen. Johannes Erath setzt sich mit Mozart ins selbe Boot, wenn er mit einem einzigen schnörkelfreien Gefängnis-Bühnenbild (von Stefan Heinrichs) mehrere Ereignisebenen schafft und durch Doppelgänger der Protagonisten das Geschehen sinnreich vervielfacht. Dass er damit die Grenzen des gleichzeitig Wahrnehmbaren berührt, verbindet ihn nicht weniger mit Mozart.

Das Sängerensemble brillierte vor allem auch darstellerisch. So konnte Boaz Daniel als Don Giovanni recht einfach seine zurückbleibende stimmliche Präsenz ausgleichen, Gal James als expressive Donna Anna vollführte stimmliche Höhenflüge, Konstantin Sfiris zeigte einen schaurig machtvollen Komtur. Auf entsprechend hohem Niveau spielten die Grazer Philharmoniker unter Hendrick Vestmann.

Oper Graz, Fr, Mi 19.00, So 18.00


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