Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

Man möchte meinen, dass jeder Journalist und jedes Ressort immer unbedingt mit seiner Story aufs Cover kommen möchte, nur ist das im wirklichen Leben durchaus nicht der Fall. Also im wirklichen Leben vielleicht schon, aber in der Falter-Redaktion nicht; oder richtiger ausgedrückt: im wirklichen Leben der Falter-Redaktion nicht - denn es ist ja durchaus nicht so, dass das Leben in unserer Redaktion unwirklicher wäre als das bei der Bild oder der Washington Post. Die Leute glauben immer, es wird wirklicher, wenn es laut ist, stinkt oder weh tut, und schwafeln vom "Einbruch des Realen", aber das ist ontologisch schwer haltbar, auch wenn die Falter-Redaktion ohnehin mithalten könnte - in Hinblick auf Redaktionskonferenzen, den Redaktionskühlschrank oder die Rücken der Chefredaktion.

In der Wirklichkeit der Redaktionskonferenz sieht es jedenfalls oft so aus, dass die Coverfrage mit der Phrase "Wir machen auf mit ?" beantwortet wird, was nichts anderes ist als Redaktionssprech für: "Wir haben keine Coverstory." Das muss aber gar nicht stimmen, denn oft weiß es der jeweilige Redakteur selbst bloß nicht und wird von allen anderen überzeugt, dass es sich akkurat ganz anders verhält. Manchmal kommt es indes in der Tat auch vor, dass jemand aufs Cover will, obwohl er/sie keine Coverstory hat und einen vollkommen schwachsinnigen Covervorschlag mit dem Hinweis versieht "Das muss man halt mit einer starken Zeile abfangen." In diesem Falle wird dann gerne Jochen Schievink beauftragt, der ein so starkes Bild liefert, dass es eine Okay-Zeile auch tut.


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