Wertungsexzess

Hero der Woche: Christoph Schönborn

Politik | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

Der Kardinal zürnt der Regierung und benimmt sich nicht wie ein diplomatischer Kirchenfürst

Es war keine seiner salbungsvollen Sonntagspredigten aus der Krone, die Christoph Schönborn vergangene Woche über den Häuptern der Regierungschefs niedergehen ließ. Der Kardinal pfiff auf die Kirchendiplomatie und setzte zu einem Rundumschlag gegen die Budgetpolitik an: Er warnte vor Kürzungen bei Familien, schimpfte über die Einsparungen bei der Entwicklungszusammenarbeit ("eigentlich eine Schande"), kritisierte den Bau des Milliarden verschlingenden Koralmtunnels, das Ausbleiben der Verwaltungsreform oder die Abschaffung der Studiengebühren, "ein populistischer Schritt". Darf ein Kardinal das? Er darf, wenn viele Menschen eine Lobby für gerechtere Verteilung in der Gesellschaft brauchen. Das ist eine Aufgabe der Kirche - bei aller Notwendigkeit für die Trennung von Kirche und Staat.


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