Wenn ein Ungar an seiner Heimat leidet, dann richtig

Politik | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

Paul Lendvai arbeitet sich an, wie er es nennt, "seinem" Ungarn ab. Herausgekommen ist eine brillante Analyse der Krisennation

Rezension: Anton Pelinka

Im Titel von Paul Lendvais neuem Buch signalisieren zwei Worte die wesentliche Botschaft: "mein" und "verspielt". Ungarn ist Lendvais Land. Er identifiziert sich mit Ungarn - und er leidet an Ungarn. Er beschreibt und bedauert, wie sehr dieses sein Land die Voraussetzungen nicht nützen konnte und wollte, die es 1990 vorgefunden hatte: neben Polen das erste demokratisierte Land des kommunistischen Europa; und noch vor Polen ein Land, das bereits begonnen hatte, von der Verflechtung mit dem Westen wirtschaftlich zu profitieren.

Lendvai ist zornig über die ungenützten, eben die verspielten Möglichkeiten; darüber, dass verschiedene Regierungen, auch und vor allem die sozialistisch-liberale Koalition - und das ist der Hintergrund des fulminanten Wahlsiegs von Viktor Orbán -, zunächst populistisch gedacht hatten, die sozialen Kosten der wirtschaftlicher


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