Mediaforschung??

Herr Hewitt, wie wollen Sie die Londoner nach Wien locken?

Nachfragekolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

London hat fast so viele Einwohner wie Österreich, nur wie locken wir die alle als Touristen hierher? Das fragte sich WienTourismus und kam zu dem Schluss: mittels neuester Technik und eines Aha-Erlebnisses.

Wer am Montagabend durch das Londoner Stadtzentrum spazierte, sah womöglich ein hell erleuchtetes Gebäude und ein Feuerwerk. Es war der Höhepunkt der Wiener Werbekampagne, bei der ein großes viktorianisches Gebäude von Projektoren beleuchtet wurde. Darauf waren dreidimensionale Effekte zu sehen. Über die Häuserfassade huschte ein walzertanzendes Pärchen, dann schien es, als würde das Gebäude in sich zusammenfallen. Szenenwechsel, die Fassade zeigte einen belebten Nachtklub und zum Schluss Klimt-Gemälde.

Auf diese Weise sollte den Briten suggeriert werden, dass es einiges in Wien zu erleben gebe. "Wien ist in London als romantische und schöne Stadt bekannt, aber viele wissen nicht, dass es hier auch zeitgenössische Musik und ein Nachtleben gibt", sagt Mark Hewitt von der Londoner Agentur Imagination, die die 3D-Projektion umsetzte. Es handle sich um eine ganz neuartige Technik, die erst in ein paar Städten weltweit ausprobiert wurde. "Wenn man das noch nicht gesehen hat, kann man es sich nur schwer vorstellen, aber diese Projektionen täuschen wirklich das Auge. Es scheint, als würde sich das Gebäude verändern."

Die Werber wollen eine jüngere Zielgruppe ansprechen, bisher reisen häufig 40- bis 50-Jährige nach Wien. "Wir richten uns hingegen an 25- bis 40-Jährige, die ein gutes Einkommen haben", sagt Hewitt. "Um deren Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen, wollten wir etwas Ungewöhnliches machen." Die neue 3D-Technik soll somit auch symbolisieren, dass Wien kein verschlafenes k.u.k. Städtchen mehr ist.


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