Eine Wollust des Mitgefühls

Feuilleton | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

Das Filmmuseum rehabilitiert den ideologisch verdächtigen Filmpionier David Wark Griffith

Würdigung: Gerhard Midding

Is real life interesting?", fragt der erste Titel von "True Heart Susie". Der zweite bekräftigt, dass jedes Ereignis im Film dem wahren Leben entnommen sei. Aber an wen richtet sich die anfängliche Frage?

Zu den Diktaten des Zeitgenössischen stand Griffith stets in einem heiklen Verhältnis. Sein Hang zum Melodram wies ihn als entschlossenen Parteigänger der Fiktion aus, mit "The Birth of a Nation" und "Intolerance" hatte er demonstriert, dass das Kino schon früh Vertrauen setzen durfte in die überwältigende Kraft von epischen Erzählungen und prächtigen Schauwerten.

Mit "True Heart Susie" vollzog Griffith, der schon zuvor Filme in ähnlichem Erzählgestus gedreht hatte, keinen Registerwechsel und blieb auch danach den Grundimpulsen seines Kinos treu. Dennoch nahm er sich die Zeit, um Rechenschaft abzulegen. Die Frage, die er 1919 an die eigene Kunst stellte, mutet


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