Walter Benjamin statt Thilo Sarrazin

Feuilleton | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

Die Europäische Union will in die Türkei. Zuerst aber muss die EU-Kunst eine Aufnahmeprüfung bestehen

Reportage: Matthias Dusini/Türkei

Seit 2005 verhandelt die Europäische Union mit der Türkei über den Beitritt. Brüsseler Beamte fahren an den Bosporus, um zu überprüfen, wie frei dort die Minderheiten und die Presse sind. Die postislamistische Regierung führt eine Reform nach der anderen durch, die EU zögert. Seit der Beitrittsgegner Nicolas Sarkozy französischer Präsident ist, geht nichts mehr weiter. Und selbst wenn aus der Türkei ein Vorzeigestaat würde, gäbe es immer noch die österreichische Regierung, die mit einem Referendum droht.

Ohne Beitrittsoption würde die Demokratisierung der Türkei gestoppt. Was, wenn das Land seine laizistischen Prinzipien aufgäbe und zu einem Kopftuchimperium mutierte? In diese Richtung argumentieren EU-Staaten wie Großbritannien, die das Land mit der brummenden Wirtschaft und den 72 Millionen Konsumenten nicht so einfach ziehen lassen


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