Post vom Protestlied: "Poesie statt Parole!"

Feuilleton | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

Karl Schwamberger alias Laokoongruppe hat mit "Staatsoper" das österreichische Diskurspopmanifest der Stunde verfasst

Musikkritik: Gerhard Stöger

Karl Schwamberger ist ein spröder Typ und für die herzliche Kommunikation mit dem Publikum definitiv der Falsche. Musik macht der in Wien lebende Oberösterreicher nicht, um zu unterhalten oder gar um zu gefallen. Er macht sie in erster Linie für sich selbst, nach einem eigenen Masterplan. Und das ist gut so, denn genau in dieser Sturheit liegt auch der Reiz von Schwambergers Einmannband, der Laokoongruppe.

Mit ihr bringt der 45-Jährige Techno, Pop und verfremdete Elemente alpiner Musiktraditionen zusammen und verabreicht dazu gekünstelt intonierte deutsche Texte. Trotz ausgeprägter Schlagerneigung geht die Reise dabei nie in Richtung "Musikantenstadl"; als Meister der einlullenden Widerborstigkeit bleibt Schwamberger lieber in der Diskursstube hocken. Dort fühlte sich die Laokoongruppe vergangenes Jahr schon mit dem großartigen Debüt "Walzerkönig" wohl, und dort ist auch das mit 16 Songs und gut 70-minütiger Spielzeit üppig angelegte Nachfolgemodell "Staatsoper" daheim. Andeutung statt Eindeutigkeit lautet weiterhin das Motto. Poesie statt Parole und Vielschichtigkeit statt Eindimensionalität.

Der Sprung vom Kritiker- zum Publikumsliebling wird Schwamberger auch mit neuen Hits wie "Gratia Plena", "Wir kommen von der Linkfarm" oder "Gott, Stevie Wonder und der Vogelstimmenimitator" nicht gelingen. Zu seltsam ist seine Musik, zu groß bei aller Harmonie die Reibung, zu artifiziell sein verführerischer Kitsch, zu eigenwillig die Welt seiner Worte.

"Staatsoper" bestätigt aber, dass die Laokoongruppe neben Gustav die wichtigste Stimme des postmodernen Protestlieds österreichischer Prägung ist. Wenn man sich nur traut, kann man dazu übrigens auch tanzen. Trotz aller intellektuellen Schwere.

Laokoongruppe: Staatsoper (Konkord)

Live: 20.11., 23 Uhr, Gartenbaukino, Philiale


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