Stadtrand?

Gedacht für Menschen. Genutzt von Ratten

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

Kürzlich stand ein Mann am Schwedenplatz und tränkte seine Ratte. Das klingt ekelerregend, war aber tatsächlich niedlich anzusehen. Die Ratte saß auf der Handfläche des Mannes und schlürfte aus einem Trinkbrunnen wie eine immens geschrumpfte Kuh. Ringsum rotteten sich lachende Kinder zusammen; danach pirschten sich Touristinnen mit Kameras wie Sturmgewehren heran. Wir standen daneben und dachten, dass wir bisher nie Menschen am Brunnen gesehen hatten, immer nur Ratten. Liegt das an der extremen Hässlichkeit des Dings? Das mag man noch mit dem Verweis auf Geschmacksfragen und die nivellierende Kraft des Durstes entkräften. Eher könnte die Ursache sein, dass das Brunnenwasser ständig über den Rand schwappt. Um es zu erreichen, müssen Menschen einen Sumpf aus Herbstblättern und Zigarettenstummeln durchwaten. Sie können ja nicht einfach auf Besitzerhänden anfliegen wie Ratten. Also, liebe Verantwortliche: Könnte man den Sumpf nicht trockenlegen? Es ist ja nicht immer eine Ratte zur Stelle, die die Situation doch noch angenehm macht.


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