Ins Mark??

Tolle Tage, dicke Luft

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 45/10 vom 10.11.2010

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter

Jetzt, wo die Tage in der Stadt Graz wieder auf ungebührliche Weise kürzer werden bei gleichzeitiger Verlängerung der Dunkelphasen, stellen sich Fragen nach dem rechten Maße im kommunalen Zusammenleben plötzlich in ganz neuer Dringlichkeit. Sind zum Beispiel die gerade erst teuer angeschafften Straßenbahnen, von der Lokalpresse lustigerweise als "Albtram" bezeichnet, zu laut? Da die Trams auch schon einmal als zu kurz erkannt wurden, in Folge nachgerüstet werden mussten, da sich zudem die Grazer Gleise als zu enggeführt für die neuen Garnituren erwiesen und also verbreitert werden mussten, ist der Verdacht, nun könne es eben zu laut hergehen, sicher nicht von der Hand zu weisen.

Auch nicht eben leise ging es zu, als sich vergangene Woche Hunderte Grazer stundenlang anstellen mussten, um eines der "Frischluft-Tickets" der Verkehrsbetriebe (GVB) um wohlfeile 99 Euro zu ergattern. Die GVB mit ihrer an Pannen nicht armen Vergangenheit (wir erinnern an defekte Ticketautomaten und desinformierende Fahrgastinformationssysteme) freuten sich ob des Ansturms über einen tollen Erfolg. Dabei war echt dicke Luft. Die Wartenden fragten sich, was ihr Schlangestehen bloß mit Erfolg zu tun haben könnte. Haben sie zu leise gemurrt? Kräftiger gemurrt haben jetzt die Grazer Gastwirte. Gegen das Verbot von Wintergastgärten. Zu laut gehe es dort zu, hieß es seitens der Grünen und der ÖVP im Rathaus, die Innenstadt-Bewohner verdienten sich eine Winterpause. Zumal ja auch Adventrummel samt Punschwahn anstünden. Dazu der Lärm der Albtram! Das Murren der Wirte blieb vergeblich. Man darf wohl wieder von einem tollen Erfolg sprechen.


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