Kritiken

Im Salon Monströs mit Perutz und Shakespeare

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Was haben Leo Perutz und William Shakespeare gemeinsam? Ihre Gestalten bevölkern derzeit den Salon5 in Wien-Fünfhaus als Gäste des "Salon Monströs". Nicht zum ersten Mal wird an diesem Ort literarisch verewigter, leicht bis schwer krimineller Ausnahme- und Randerscheinungen der Gesellschaft gedacht. Die Vorlagen mögen dabei historisch sein, die Umsetzungen sind es ganz und gar nicht. Zunächst wandelt Leo Perutz' Stanislaus Demba aus dem Roman "Zwischen neun und neun" durch seinen persönlichen Albtraum, der wie ein Magritte'sches Universum aussieht, das aus hintereinander platzierten schwarzen Rahmen, den Gliedmaßen von Schaufensterpuppen und einer Videoprojektion erschaffen wurde. Demba, von Martin Schwanda hintergründig böse dargestellt, muss allerlei kafkaeske Widrigkeiten ertragen. Schwanda beherrscht die Szenerie und jongliert so nebenbei fast sämtliche Charaktere, außer der gutmeinenden Steffi. Diese, gespielt von Emily Cox, ist draußen vor dem Fenster eine magische Erscheinung, während ihr Lacher im Bildvordergrund die Künstlichkeit des Ambientes sprengt. Trotzdem: Dembas Schicksal wird spannend erzählt und macht Lust auf Perutz-Lektüre.

Nicht dass Shakespeare Werbung nötig hätte - am ehesten noch seine Sonette. Trotzdem gelingt es Raphael von Bargen und Christian Mair in "Power to Hurt", Shakespeare noch einmal neu zu rocken. Im Keller des Gebäudes verwandeln die beiden "Richard II.", "Richard III." sowie erlesene Sonette in Rockballaden vor filmischer Düsterniskulisse mit viel Herbst und Friedhof. Darin und als Live-Intro gibt es den weiblichen Künstlernachwuchs des Salons zu bestaunen, insbesondere Antoaneta Sterevas Müllsack-Kostüme.

Salon5, Fr, Di, Mi 19.30 (Perutz) bzw. Mo 19.30, Mi 21.30 (Shakespeare)


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