Kritik

Melancholisches aus den Köpfen Teherans

Lexikon | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Gemälde oder Zeichnungen sind hier keine zu finden. Ob die Verwendung der Medien Video und Fotografie repräsentativ für die iranische Gegenwartskunst ist, diese Frage bleibt in der Ausstellung "Iran - Preview of the Past" im Heiligenkreuzerhof offen.

Die Schau präsentiert Arbeiten von acht jüngeren, in Teheran oder Wien schaffenden Künstlerinnen und Künstlern. "You cannot see the whole story" steht auf dem Podest einer Arbeit des 1980 geborenen Nasser Teymourpour zu Beginn der Schau. Das Fremde, Verschlüsselte, Introvertierte, beizeiten auch Melancholisch-Resignierte zieht sich wie ein roter Faden durch diese Gruppenschau.

Die Künstlerin Shadi Ghadirian weist auf die Zensur in ihrem Heimatland hin, indem sie unter anderem Werke der westlichen Kunstgeschichte mit schwarzen Übermalungen versieht. Politisch brisante Sujets liefern die Fotomontagen von Ramin Haerizadeh, die Verhaftungen von Verschleierten zeigen; skurrilerweise hat der Künstler aber die Frauengesichter durch Vollbartträger ausgewechselt.

Mit schönen Inschriften in Englisch und Farsi visualisiert das Video "Self Portrait" von Simin Keramati einen Monolog innerer Zerrissenheit, während das Gesicht einer Frau allmählich von schwarzer Tinte ausgelöscht wird. In die Dunkelheit führen auch die gelungenen Fotomontagen von Neda Hosseinyar, wobei nackte Figuren überlebensgroß in die nächtliche Stadt versetzt sind, die nun wie eine Modelllandschaft wirkt. Hessam Samavatians Fotos "When Iranians sleep", die in der Stadt ruhende Männer zeigen, könnten auch eine politische Lesart nahelegen: Lauter Nickerchen der Verantwortung? NS

Heiligenkreuzerhof, bis 10.12.


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