Kritik

Sauerei mit den Piraten der Karibik

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Die Wiener Aktionisten haben Saison. Die Kunsthistorikerin Eva Badura-Triska stellte im Mumok eine Auswahl der Werke von Günter Brus & Co. zusammen. Sie reicht von den frühen Überschreitungen des Tafelbildes bis hin zu den radikalen Körperperformances um 1970. Der Ausstellungstitel "Direct Art" bezieht sich auf den direkten Einsatz von Körper und kunstfremden Substanzen, mit dem sich die Künstler von der traditionellen Malerei und Skulptur absetzten. Neu ist in der Schau die Hervorhebung der Musik. Es gibt Hörbeispiele der Geräuschmusik von Brus, Otto Muehl und Hermann Nitsch sowie des Komponisten Anestis Logothetis. Klug gesetzt wurden in dieser klassischen Präsentation die Kontrapunkte internationaler Strömungen. Nouveau Réalisme und Fluxus sind kanonisiert, die japanische Gutai-Gruppe musste wie die Wiener Aktionisten auf die Anerkennung länger warten.

Der kalifornische Künstler Paul McCarthy, Jg. 1945, ist ein Aktionistenfan der ersten Stunde. Im Mumok ist ein frühes Performancevideo zu sehen, in der Sammlung F riedrichshof eine große Videoinstallation. In "Caribbean Pirates", einer Satire auf die Hollywoodserie "Pirates of the Caribbean" wird gesaut, dass es eine Freude ist. Sechzig Kilometer südöstlich von Wien gründete Otto Muehl 1974 eine Kommune. Heute stehen dort ein Hotel, Wohnhäuser und ein Kunstmuseum. Die Kommune hatte Wiener Aktionismus gesammelt. Nach dem Scheitern des Experiments wurden Teile der Sammlung verkauft. Der Kunsthistoriker und Kunsthändler Hubert Klocker zeigt nun in den von dem Architekten Adolf Krischanitz adaptierten, angenehm roh wirkenden Räumen den Sprung von biederer Akademiekunst zur direkten Aktion.

Mumok, bis 29.5.; Friedrichshof, bis 27.3.


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