Noch im Kino

Ein Klaustrophobiethriller: "Buried" überleben

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Ein One-Liner von einem Film, mit viel Dialog: Ein Amerikaner, als Trucker im Irak tätig, findet sich lebendig begraben in einer Kiste wieder. Hätten seine lokalen Geiselnehmer ihm nicht (zusätzlich zu Leuchten und einem Messer) ein Handy mit in die Box gegeben, wäre "Buried" wohl von Bresson-hafter Einsilbigkeit. So aber verbringt der einzige Protagonist des Films an dessen einzigem Schauplatz die Echtzeit, die so knapp wie Luft und Akkustrom ist, am (Im-)Mobiltelefon, in Gesprächen mit einem Entführer, mit einem Experten für hostage situations, mit Angehörigen, dem Arbeitgeber, Regierungsstellen im Irak und in den USA.

Der Sarg gerät zur Beziehungskiste: Der Entführte trifft auf Mitgefühl, auf Beratungsroutine, auf blanken Zynismus, nervtötenden Unverstand, endlose Warteschleifen. Manch Dialog hat unversehens etwas von Karl Valentins "Buchbinder Wanninger"-Telefonvermittlungssketch und öffnet das extrem enge Setting ins Schwarzhumorige; im Wechsel der Stimmungslagen ist "Buried" packend, aber nicht deprimierend. Rodrigo Cortés' Regie verzichtet darauf, aus der Konstellation "Erleben vor Ort versus entfremdete Planungsbürokratie" geopolitischen Tiefsinn zu schinden. Und Ryan Reynolds spielt einen sympathischen Helden (so etwas ist in Klaustrophobieschockern rar).

"The world in a box", hieß es früher übers Fernsehen. Hier wird nun das Handy als Welt stiftendes Medium, als Life-Support-System, zelebriert und das Display als Licht im Dunkel zum Bild im Filmbild. Unter Kinofantasien zum Lebendig-begraben-Sein (von C.T. Dreyer, Roger Corman, George Sluizer, Quentin Tarantino) reiht sich dieses Exemplar spanischer Minimal-Horror-Perfidie ebenso schön ein wie in die Tradition von Telefonpanik-Filmen. Gut geerdet, viel geredet. Und alles Oberirdische erscheint in neuem Licht, selbst die Roamingebühren.

Weiterhin in den Kinos (OF im Artis)


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