Buch der Stunde

Großoffensive an Moral und Lebenskunst

Erich Klein | Lexikon | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Dostojewski meinte, ein Land, in dem Bücher wie "Anna Karenina" entstünden, müsse als groß bezeichnet werden. Lew Tolstois "Für alle Tage", das 1904 kompilierte Lebens- und Lesebuch, ist vor allem dick. Von schwerer Persönlichkeitskrise erfasst, verwarf Tolstoi 1880 in einer großen "Beichte" seine Romane und alle Literatur. Es folgte die Predigt einer neuen Religion: Christentum ohne Mystik, dessen oberstes Prinzip die Christus-Worte "Widerstehe nicht dem Bösen!" sein sollten. Gott ist keine Person, über die Sakramente macht er sich lustig - dafür wird er aus der Kirche ausgeschlossen.

Der literarische Großverdiener verschenkt seine Ländereien an die Bauern, als Adeliger träumt er vom Leben unter den Armen; er wettert gegen Alkohol und Tabak, schwängert aber seine Frau siebzehnmal; in "Was ist Kunst" tituliert er Shakespeare als schlechten Dichter und gibt dem Czardas den Vorzug. Kaum als "links" einzuordnen, protestiert Tolstoi gegen die Hinrichtung der Terroristen, die den

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